Kleiner geschichtlicher Abriß:
Eine Orgel zieht um
Die Lücken erzählen von der für eine Orgel wahrlich bewegten Geschichte des Instruments – und von seiner engen Verbindung zu Ebersdorf. Ebersdorf und Lichtenwalde waren schon immer ein Kirchspiel. Auf den Auftrag der Reichsgräfin Watzdorf aus Lichtenwalde entstand zunächst die Donati-Orgel in der Stiftskirche Ebersdorf. „Und weil ihr das Instrument so gut gefallen hat, ließ sie eine Kopie für die Schlosskapelle anfertigen“, erklärt Pfarrer Horst Oertel. 1741 von Johann Christoph Gottlob Donati gebaut, war die neue Orgel maßgeschneidert für die Schlosskapelle.
Während die Stiftskirchenorgel Ende des 19. Jahrhunderts ersetzt wurde, blieb die Lichtenwalder Orgel erhalten – bis sie im Krieg 1945 stark beschädigt wurde. Als man Ende der 1950er Jahre in Ebersdorf alle Einbauten entfernte, besann man sich auf die Orgelreste in Lichtenwalde und erwarb sie: der erste Umzug folgte. 1962 wurde die Donati-Orgel in die Stiftskirche umgesetzt und von der Firma Eule restauriert und modernisiert. Mit dem Umzug nach Ebersdorf aber glich man die Orgel nicht nur dem neuen Domizil, sondern auch dem Zeitgeschmack an und setzte sie kurzerhand einen halben Ton tiefer an, verpasste ihr also größere Pfeifen.
Zurück nach Lichtenwalde
Nach Abschluss der Restaurierung der Schlosskapelle entstand die Idee, das barocke Kleinod nach Lichtenwalde zurückzuholen. Leichter gesagt als getan. Denn, so erklärt der Orgelbauer und Restaurator der Donati-Orgel in Lichtenwalde: „Die Orgel mit den großen Pfeifen passte nicht mehr in die kleine Kapelle.“ Alle Pfeifen zu kürzen gleiche aber einer Neuanfertigung. Zu teuer, entschieden die Verantwortlichen. 280.000 Euro hat der Freistaat Sachsen als Auftraggeber zur Verfügung gestellt. 210.000 Euro hat das Land Sachsen dafür verwendet, der Gemeinde Ebersdorf die Orgel abzukaufen. Die übrigen rund 90.000 Euro reichten, um den ersten Bauabschnitt zu finanzieren: die Orgel nach Lichtenwalde umsetzen, Tasten, Windladen, Pedal und Gehäuse erneuern oder überholen, zwei der Holzregister im Sinne Donatis original rekonstruieren und fünf weitere vorerst übernehmen.
Jetzt ist das Geld aufgebraucht, das der Freistaat Sachsen für das Unternehmen eingeplant hatte. Was bleibt, ist jede Menge Arbeit und eine Orgel mit Zahnlücken. Die noch fehlenden Register sollen teils ganz weggelassen werden, teils sollen jene Pfeifen bleiben, die die Firma Eule in den 1960ern eingebaut hatte.
Die Pfeifen weglassen? Für den Orgelbauer Thomas Wolf ein Unding: „Das Metallpfeifenwerk hatte einst bei Donati, einer berühmten Orgelbaumeister-Dynastie, eine ganz eigene, charakteristische Disposition, die für den einmaligen barocken Klang sorgte.“ Fehlt das Metallpfeifenwerk, klingt die Orgel anders, stimmen die Farben nicht. Und jene fünf Register von Eule, die interimsweise auch in Lichtenwalde wieder eingebaut wurden, verzerren das Klangbild noch mehr: Spitzoktave statt Traversflöte, Rohrflöte statt Quintadena – das tönt in etwa so originalgetreu, als würde man auf der Blockflöte eine Fanfare blasen. Außerdem kann man mit dem derzeitigen Zustand der Orgel nur kleine Werke aufführen. Wenn der jetzige Zustand des Instruments eine Dauerlösung wird, „hätte man sich den Umbau sparen können“, so Wolf.
Zur Fertigstellung der Orgel durch die Firma Vogtländischer Orgelbau fehlen 90.000 Euro. Gemeinsam mit Musikfreunden und Orgelliebhabern wollen die Sächsische Mozart-Gesellschaft e.V. und die Schlossbetriebe Augustusburg/Scharfenstein/Lichtenwalde alle Register ziehen, damit die Donati-Orgel ihre Pfeifen bekommt.
Bach
Flötenuhr Teil1
Flötenuhr Teil2
